Ohne Kleingeld verlasse ich nicht das Haus…

…ohne es zu bereuen.

Früher – als ich noch geraucht habe – hatte ich immer kleines Geld in der Tasche um meinem kleinen Nikotin-Monster das Futter zu kaufen. Und das möchte ja bekanntlich nicht lange auf sein Futter warten.

Und eigentlich war ich ziemlich glücklich, nicht immer “Klimperer”  mit mir rumschleppen zu müssen und für die “Raschler” (die mir eh viel lieber sind) habe ich einen Geld-Clip. Mega-praktisch!

Und dann hatte ich irgendwann diesen Traum… Diesen Traum, in dem mich eine Person um ein wenig Geld bat. Ich weiss nicht mehr ob sie Frau oder Mann, obdachlos oder mittellos, klein oder groß, sauber oder abgerissen war. Woran ich mich erinnern kann ist, dass ich ihr nichts gab. Ich schaute nicht einmal nach, ob ich Geld dabei hatte. Vielleicht habe ich sie noch nichtmal beachtet. Oder so getan, als ob ich sie nicht sehen oder hören würde. Egal – bis zu diesem Traum war es in meinem Leben von meiner Stimmung abhängig gewesen, ob und wieviel ich Menschen auf der Straße gab. Seit diesem Traum ist es anders. Im Traum fing -nach diesem Ereignis- mein Leben an sich zu zersetzen. Fast wie im schlechten Film zerbrach meine Familie, ich verlor Job, Hab und Gut, und landete schliesslich im Knast. Ganz genau erinnere ich es nicht mehr aber es war MEGA-SCHEISSE!

Und so beschloss ich immer etwas zu geben, wenn ich gebeten werde. Immer, keine Ausnahme. Und sitz jemand auf der Straße und bettelt, dann gebe ich ihm auch was. Ich habe mir schon Kleingeld bei meiner Begleitung geliehen, habe etwas unsinniges gekauft (sind Süßigkeiten Unsinn?) um aus einem Schein Kleingeld zu machen und auch schon ganze Scheine gegeben. Letzte Woche bin ich erst zur Bank und dann zum Bäcker und dann 500 Meter mit’m Rad zurückgefahren, um von einem Obdachlosen ein Lächeln zu kaufen. Und immer wenn mein “ich hab jetzt kein Kleingeld”- oder “ich hab jetzt wirklich keine Zeit”- Ego versucht, jemanden auf der Strasse zu übersehen verschafft sich mein Gewissen sofort so viel Gehör, dass ich es dann doch irgendwie schaffe etwas zu geben. Und sollte ich wirklich irgendwann nicht mehr die zwei Minuten Zeit oder die zwei Euro haben? Vielleicht wäre das ja das Zeichen dafür, dass ich grade die Kontrolle über mein Leben verloren habe und mich auf dem Weg nach unten befinde?

Früher konnte ich sehen, wer wirklich bedürftig ist und wer nur zu faul zu arbeiten. Konnte sehen, wer viel Pech im Leben hatte und wer nur den bequemen Weg geht. Das dache ich zumindest – Ich arrogantes Arsch. Heute darf jeder, der mich um etwas bittet das sein, was er ist: Ein Bittsteller. Jemand, der grade weniger hat als ich. Jemand, dessen Geschichte ich nicht kenne und der von von meinen guten Ratschlägen nicht satt wird und sich von meinem Geld vermutlich keine Apple-Aktien kaufen will.

Meine Kinder kennen meine Macke und oft lasse ich sie “das Lächeln kaufen” – von meinem Geld. Und dann freuen sie sich, so wie ich mich über jedes Lächeln bei einem Fremden freue. Und das fühlt sich gut an. Und immer wenn mir etwas wundersames, gutes, unerwartetes von einem Fremden widerfährt weiss ich, dass eben jener Albtraum gar kein Albtraum war. Sondern ein kleiner Schubs des Schicksals um mich nicht blind werden zu lassen. Danke.

“Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennengelernt hat” – (Unbekannt)

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