Ersatzbeitrag

Der Beitrag “Warum ich erst wieder weinen kann seit ich erwachsen bin” muss leider entfallen, dafür lesen Sie heute “Warum ich mir das ‘Rocky’-Musical nicht entgehen lassen sollte”.

Mal wieder ist es Sonntag und mal wieder habe ich noch nix fertig geschrieben (oder gedacht?) – Heute aber mal egal…

Gestern hatten nicht nur meine Liebste und ich unseren ersten Jahrestag, sondern wir aßen auch Döner auf’m Kiez und besuchten eben jenes Musical. Die Karten hatten wir von meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt bekommen, am ursprünglichen Termin hatte meine Herzdame aber schon was besseres vor (irgendwas wegen Social Media Week oder so) und die Karten für die gestrige Vorstellung habe ich am Freitag bei ebay Kleinanzeigen gefunden. Kurzfristig – so wie ich es mag.

Und hier die eigentliche Kritik:

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   MEGA! <- Absoluter Guckbefehl
</blink>

PS: Danke, Mutti!

 

Sie wollen das nicht kaufen, das ist zu teuer!

Seit gestern habe ich zwei CO2 Flaschen für meinen Trinkwassersprudler. Beweis:

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ZWEI!

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Das war gar nicht so einfach: Nachdem meine letzte Flasche irgendwann Anfang letzter Woche das “Gasen” aufgab war klar, dass ich eine neue Flasche brauche. Chacka, das sollte ja einfach sein -> Einfach leere Flasche gegen Zuzahlung von 7,99 gegen eine volle umtauschen. Umtauschen kann ich sie jedoch nur, wenn ich sie auch dabei habe war die Erfahrung, die ich am Montag machte. Dienstag  hatte ich dann keine Zeit und seit Mittwoch  habe ich die leere Flasche bis Samstag in meinem Auto spazieren gefahren, was ihr sicher gut gefallen hat. Am Mittwoch hatte ich versucht zu tauschen, aber REWE hatte keine Tausch-Flaschen da.

Immer klarer wurde mir, dass ich hier scheinbar ein prinzipielles Problem der Zivilisation im allgemeinen oder zumindest im speziellen ein Problem zwischen mir und der Zivilisation aufgedeckt hatte: Der Samstag kam und ich trank mein Wasser immer noch ungesprudelt. Das konnte so nicht weiter gehen. Die Entscheidung, immer eine Ersatzflasche im Hause zu haben, hatte ich schon vor einiger Zeit getroffen, doch beim letzten Flaschentausch war ich von der Verkäuferin belehrt worden, dass sie diese Flaschen nur tauschen aber auf keinen Fall Ersatzflaschen verkaufen könnte.

Keine Flasche, keine Ersatzflasche und es war Samstag. Bei REWE gab es wieder keine vollen Flaschen und der Fachverkäufer in der Getränkeabteilung erzählte mir irgendeine Geschichte von der Post und dass es zur Zeit “schwierig” sei.  Der Getränkemarkt bei Penny gab mir den Tip es bei TOOM zu versuchen und -voila- Treffer: An der Kasse saßen zwei Frauen, bedient wurde ich von A.

Ich: Kann ich hier meine Flasche umtauschen?

A: Ja, klar – kostet 7,99

Ich: Toll! OK! Kann ich bei Ihnen auch eine zusätzliche Ersatzflasche bekommen.

A (zu B): Kann er auch eine Ersatzflasche kaufen?

B (zu mir): Ja, aber das wollen sie nicht! Die ist viel zu teuer und das Geld bekommen sie nie wieder.

Ich zahlte meine 7,99 und verliess verdattert den Laden. Draussen erzählte ich meinem Bruder, was geschehen war und konnte es nicht fassen, dass ich -ohne Widerrede- gegangen war. Ich wurde ausgelacht – verdienterweise.

Also machte ich einen zweiten Anlauf und stellte mich wieder an. B war nun vorne.

Ich: Ich hätte dann trotzdem gerne eine Ersatzflasche für zuhause.

B: Nein, das wollen sie sicher nicht. Die ist viel zu teuer!

Ich (den Impuls spührend einfach wieder zu gehen): Doch wirklich! Ich habe jetzt schon drei Geschäfte abgefahren und keines hatte volle Flaschen.

B: Wir hier bei TOOM haben die immer!

Ich (verunsichert, nach Argumenten suchend): Ich möchte einfach eine zuhause haben, vielleicht ist meine ja alle wenn sie grade zu-haben!

B: Nein, das ist zu teuer! Sie kennen doch sicher jemanden, der auch SodaClub hat und seine Maschine nicht mehr benutzt. Fragen sie den nach seiner Flasche.

Ich (zu mir selber und lautlos): Sei stark – du gehst hier nicht ohne Flasche raus!

Ich (kleinlaut, zu B): Ich bin mir ganz sicher, dass ich eine Flasche kaufen möchte. Würden Sie mir bitte eine verkaufen?

B hat dann mit einem Kopfschütteln aufgegeben. Ich habe ich 23€ gelatzt, nochmal 7,99 für die Füllung und gelernt wie leicht ich zu manipulieren bin.

 

Bin ich jetzt groß? (part 1)

Papa, Du sagst doch immer, dass ich schon groß bin?

Mmm, ja..

Darf ich dann jetzt FEUER?

 

Joshua war wohl drei oder vier als dieses Gespräch stattfand. Und – nein – Feuer durfte er damals noch nicht. Heute ist er fast so groß wie ich und trägt Schuhe Größe 45. Doch erwachsen, erwachsen ist er noch lange nicht. Feuer darf er mittlerweile und auch sonst vieles mehr. Und “mein Kleiner” wird er trotzdem immer bleiben. Heute und für alle Zeit.

Als ich am Anfang der Pubertät stand konnte ich es kaum erwarten groß zu sein, wollte erwachsen wirken und von “den Großen” als einer von ihnen anerkannt werden. Wollte mir nichts mehr sagen lassen, auf eigenen Beinen stehen. Aufgeschaut habe ich zu meinen Elterrn, den Eltern meiner Freunde, allen Erwachsenen. Heute kann ich gar nicht mehr genau sagen, wie ich damals erwachsen definiert habe. Eine wirkliche Definition gab es nie. Nur erkennen konnte ich einen Erwachsenen sofort. Vielleicht weil ich mich sofort ein bisschen kleiner fühlte, vielleicht weil wir damals die Großen noch siezten? Eines war für mich ganz sicher: Irgendwann werde auch ich erwachsen sein. Das lässt sich nicht verhindern, das ist der Gang der Welt. Und dann werde ich so sein wie die anderen Erwachsenen und alle nicht-Erwachsenen werden mir gegenüber das mir wohlgekannte Gefühl haben.

Gewartet habe ich. Drauf, dass es passiert. Vielleicht im Schlaf? Vielleicht würde es wie der Stimmbruch in Etappen kommen. Aber kommen würde es, das war sicher. Alle meine Freunde waren Kinder, alle Großen waren erwachsen. Es musste einen Übergang geben.

Doch groß oder klein, was wollte ich lieber sein? Schoko oder Vanille, woher sollte ich es wissen bevor ich Beides probiert hatte?

(Fortsetzung folgt)

Pflaster

tl;dr – Auf Wunden, die nicht von selber heilen gehört kein Pflaster, basta!

Wofür gibt es eigentlich Pflaster? Meine Tochter ist der Überzeugung, dass ihr blauer Fleck umso weniger wehtut je mehr Pflaster sie drauf klebt. Für mich benutze ich Pflaster eigentlich nur, wenn ich mich geschnitten habe und nicht alles vollbluten will. Letztendlich hat das Hansaplast Pflaster nur zwei Aufgaben: Eine Verletzung so zu schützen, dass die geschützte Haut heilen kann oder die Umwelt davor zu schützen, was so alles aus einer Verletzung austreten kann.

Über diese Pflaster denke ich und grade nicht nach. Mir geht es um die emotionellen und strukturellen Pflaster, die wir in unseren Leben benutzen um Dinge wie mit Gaffer-Tape zusammenzuhalten oder um Dinge zu verbergen und einen heilen Anschein zu erzeugen. Die Pflaster, die wenn sie entfernt werden keine Heilung zutage bringen sondern Chaos oder Schmerz oder Scham. Halt Dinge, die nicht unter Pflastern heilen sondern zu eitern beginnen oder nur kosmetisch verdeckt sind. Beispiele für solche Pflaster sind:

* Der zu spät zum Projekt gerufene “Spezialist”, der alles richten soll und letztendlich nur versagen kann.
* Die nicht übernommene Verantwortung bei der ich jetzt schon weiss, dass es nicht funktionieren wird.
* Das nicht geführte Gespräch, dass ja ‘eh nix bringt. (Alles was sich mit “Gute Miene zu bösem Spiel” beschreiben lässt.)
* Die zuhause nicht gezeigte schlechte Schulnote, die dann doch rauskommt
* Die unangenehme Erinnerung, die ich als vergessen deklariere.
* Die Beichte, die ich mir verkneife – weil ich ja niemanden wehtun möchte.
* Das Geld, dass ich zu Weihnachten für den guten Zweck spende.

Für den Moment habe ich die Welt gerettet! Ich habe entschieden – entweder “nix” zu tun oder in Aktionismus überzugehen. Doch beides ist nicht authentisch und beides wird mein Problem nicht wirklich lösen – und das weiss ich. Dennoch ist das schlechte Gefühl für den Moment abgewandt. Mit Pflaster fühl’ ich mich stark. Für den Moment tut es nicht mehr weh.

Leider fallen diese Pflaster nicht wie Hansaplast irgendwann von selber ab, sondern mit Wille und Disziplin kleben sie ein Leben lang. Und wir vergessen sie. Und sind sogar froh darüber. Und auch unsere Eltern tragen solche Pflaster und unsere Freunde sowieso. Und werden wir darauf hingewiesen? Mehr Schminke drauf und gut -oder- “Och, das ist doch nur vorübergehend”.

Doch, wie schon meine Mutter wusste: An Wunden muss zur Heilung Luft. Und Pflaster wollen regelmäßig gewechselt werden und dabei überprüfe man den Heilungsprozess. Und wir es nicht heil, dann hilft das Pflaster nicht! Heilung bedeutet dass wir ein großes durch ein kleines Pflaster ersetzten. Und ein noch kleineres. In der letzten Phase brauchen wir dann gar kein Pflaster mehr, sondern nur ein wenig Vorsicht.

»”Kann ich nicht” liegt auf dem Friedhof«

»und “will ich nicht” liegt daneben.«

So oder so ähnlich erinnere ich einen Spruch meiner damaligen Nachhilfe-Lehrerin in der Grundschule. Ich konnte kein Deutsch – glaube ich. Vermutlich wollte ich einfach nicht. Es war auf jeden Fall schwierig. Und sie hat versucht mir alle Ausreden mit nur einem klugen Spruch abzuschneiden. Gemocht habe ich sie dafür nicht. Musste ich ja auch nicht…

Immer wenn etwas schwierig ist, wird oder war und ich scheitere, scheiterte oder drohe zu scheitern, dann suche ich nach Gründen. Und etwas einfach nicht zu können ist ja so einfach: Die Gene sind, oder die Eltern oder die Gesellschaft – eigentlich egal: ICH KANN DAS NICHT! Easy, wer diesen Satz einmal mit Überzeugung gesagt hat “muss” nicht mehr. Er oder sie kann ja nicht, wegen der Gene oder der Eltern oder der Gesellschaft… Gehen sie bitte weiter, es gibt hier nix zu sehen und ein Wunder brauchen sie nicht zu erwarten. “Kann ich nicht” ist somit die finale Kapitulation, die letzte Resignation. Das “lass mich bitte in Ruhe” ohne eben jenes zu sagen.

Kann man alles können? Sicher nicht! Usain Bolt werde ich in meinem Leben sicher nicht auf 100m überholen und mit 30 Jahren Schachweltmeister kann ich auch nicht (mehr) werden. Und gut Kochen kann ich noch nicht. Marathon laufen kann ich auch noch nicht. Gitarre spielen kann ich erst recht noch nicht und auch mit 4 Bällen jonglieren kann ich noch nicht.

Und wieder ist es nur ein kleines Wort, dass mir hilft aus Resignation eine Möglichkeit zu erfinden. Das “noch nicht” ist eine Einladung, eine Möglichkeit. “Nicht” alleine hingegen ist endgültig und eine Sackgasse. Probiert es ruhig mal aus: Wer das nächste mal “kann ich nicht” sagt oder bei jemandem anderem hört korrigiere sich oder den anderen mit einem schmunzelnden “korrigiere: noch nicht” bzw “Du meintest sicher: noch nicht”

Nur das mit dem Willen ist so eine Sache… Vieles will ich aus vielen Gründen nicht. Und das ist auch gut so. Nur – und hier liegt der Haken – häufig “will” ich Dinge nicht, weil ich glaube sie nicht (gut genug) zu können: Als Erster auf eine leere Tanzfläche gehen, mich als erster melden – ins kalte Wasser springen usw. Doch hier verdeckt mein “ich will nicht” ein “ich glaube, ich kann nicht” oder “du kannst das sicher besser als ich” – oder kurz: meine Angst.

Und immer wenn ich ein “will ich nicht” höre, dann versuche ich ganz genau zu hören. Denn vielleicht spreche ich grade zu einer Angst und nicht zu einer neuen Möglichkeit. Und nur wenn gelingt, die Angst anzuerkennen können wir sie beherrschen. Und nur dann kann aus einem “will ich nicht” ein “kann ich (noch) nicht” werden. Und dann ist wieder ALLES MÖGLICH.

Auch ja: Und Fisch essen will ich nicht!

Eine Panne ist eine Chance

tl;dr – Kommunikation ist nicht was Du sagst, sondern was beim anderen ankommt.

Panne? Nicht die Auto- oder Fahrrad- sondern die, wenn Du etwas gesagt oder getan hast und die Welt danach ein wenig anders war. Ein wenig fremd, ein wenig kaputt. Etwas, das jemanden gekränkt oder enttäuscht hat. Vielleicht nur ein Missverständnis, vielleicht eine Unachtsamkeit. Vielleicht weißt Du gar nicht, was genau passiert ist… Doch die Veränderung, die spürst Du.

Was nun? Einfach so tun, als wenn nix wäre? Denken: ‘Ist ja Deine Sache, das Du Dich so anstellst – hab’ es ja nicht böse gemeint!’ -und- ‘Das wird schon wieder…’ -und- ‘Warum bist Du nur so empfindlich?’.

Hmm… Das Leben ist immer dann am kompliziertesten wenn es mit anderen Menschen zu tun hat. Oft verstehe ich dich einfach nicht. Und du ganz offensichtlich mich nicht. Dabei ist es doch ganz einfach: Ich will nix Böses und das _musst_ du jetzt so akzeptieren. Dass du das jetzt missverstanden hast hat mit mir rein gar nix zu tun…

Wirklich zusammenleben funktioniert anders: Ich übernehme die Verantwortung nicht nur für meine Worte und Taten sondern auch für deine Reaktion darauf. Und wenn ich deine Reaktion nicht verstehe, dann habe _ich_ eine Panne. Nicht du. Ich – Ganz einfach. Und was tue ich, wenn ich eine Panne habe? Anhalten, aufhören, Mund halten, _meine_ Pause-Taste drücken – Wieder ganz einfach. Und dann teile ich dir mir, dass wir zusammen eine Panne haben, die ich verursacht habe. Und ich schaue, was wirklich passiert ist. Übernehme die Verantwortung. Und ich suche, was ich jetzt und nur jetzt lernen kann. Denn jede Panne ist auch eine Öffnung, die mir eine neue Möglichkeit zum Handeln gibt. Und ich besinne mich darauf, wer du für mich bist und wer ich für dich sein möchte. Und erst dann kann es weitergehen. Wieder zusammen. Und – im Gegensatz zu einem Flicken auf einem Rad-Schlauch, der vielleicht wieder abgeht – sind wir ein kleines Stück zusammengewachsen und zusammen gewachsen.

Mir passieren Pannen am laufenden Band. Und Angst habe ich nur vor den Pannen, die ich nicht bemerke.

Ich warte bei rot.

Mannometer! Zeit ist Geld – Immer und überall. Wirklich?

Fast alle Menschen gehen bei rot über die Ampel, immer. Und – drauf angesprochen – reagieren sie meist mit “Ich habe mich umgesehen, es waren keine Kinder in der Nähe!”. Interessant… Ausserdem haben sie sich natürlich noch umgesehen um nicht Überfahren zu werden. Die Zeitersparnis durch dieses “bei rot-gehen” liegt häufig bei etlichen Sekunden.

Auch ich bin früher über rote Ampeln gegangen (so mich kein Kind gesehen hat). Und heute? Heute warte ich auf grün – ganz einfach. Und geniesse die Zeit, die das Schicksal mir in genau diesem Moment schenkt. Vielleicht kann ich kurz an einen lieben Menschen denken, vielleicht über eine Entscheidung nachdenken, die es zu treffen gibt, vielleicht gibt es etwas zu entdecken. Und manchmal habe ich sogar den einen lieben Menschen dabei, dann kann ich sie küssen. Weil grad rot ist und weil es schön ist. Die Ampel schenkt mir also Zeit, Zeit für mich, Zeit ohne Hast. Full-Stop. Einfach mal so… Unverhofft.

Ich verdiene zwar vielleicht kein Geld beim Warten, dafür aber Ruhe und Wohlbefinden. Und daher sage ich: Danke, liebe Ampel! Danke für die Zeit, die Du mir schenkst.

Und euch lade ich dazu ein, das Rot der Ampel einfach mal – so wie ich – als ein Geschenk des Leben zu sehen und auszuprobieren, wie es euch gefällt.

Sonntags gibt es Kekse

“Normalerweise bin ich Sonntags bei meiner Mutter zum Kaffee eingeladen, und da gibt es dann Kekse!”, sagte Dennis und fuhr fort: “Und deshalb dürfen wir jetzt hier diese Kekse essen”. Ich war 19 oder 20 und Dennis mein erster richtiger Vorgesetzter. Dennis hatte mir erst einen Praktikumsplatz bei “P.INK software engineering” verschafft und nach einigen Monaten unterschrieb ich meinen ersten Arbeitsvertrag. Mein Gehalt betrug sensationelle 3000DM und ich entwickelte Software auf dem Macintosh.

Kekse waren bei P.INK für die wichtigen Business-Meetings und nicht die zuckersüchtigen Programmierer reserviert. Und peinlich war, wenn im entscheidenden Augenblick eben jene alle waren. Hier kommt Sabine ins Spiel – Als Sekretärin und guter Geist war eine ihrer Aufgaben eben jene Kekse vor den Programmieren zu verteidigen. Nun begab es sich zu der Zeit, dass Dennis und ich so viel Spass am “Überstunden ohne Bezahlung” machen hatten, dass wir uns jeden Samstag und jeden Sonntag im Büro zum Arbeiten getroffen haben. Andreas (Gründer und Chef von P.INK) fand das sicher toll.

Und immer am Wochenende haben wir Kekse gegessen. Weil. Und als Sabine die Kekse besser versteckte haben wir sie gesucht und gefunden. Und sie versteckte die Kekse noch besser – und wir fanden und verspeisten sie (die Kekse). Das ging so eine ganze Weile.

Dann, eines Montags morgens kam ich ins Büro und Sabine fragte mich beiläufig, ob wir ihren Schrank aufgebrochen hätten. Und, dass sie hier gar keine Kekse versteckt hätte. Ich verneinte – Sie rief die Polizei. Der wahre Einbrecher wurde mit der Portokasse wenig später dingfest gemacht. Darauf wurde ein ‘richtiger’ Safe angeschafft und alles Wertvolle sowie die Kekse in eben jenem verwahrt.

Also keine Kekse mehr für uns am Sonntag.

Im nächsten Jahr zog Dennis weiter und ein wenig später wurde ich sein Partner bei Digital Collections. Sonntags haben wir auch hier gearbeitet. Nur die Kekse, die haben wir ab dann selber bezahlt.

Ein “Nein” hat noch nie etwas verändert.

TL;DR

Ersetze in Deiner Kommunikation das Wort “aber” durch “und” und Dein Leben wird ein kleines Wenig reicher sein.

Den “Ja-Sager” habe ich nie gesehen, soll ganz lustig sein wurde mir zugetragen. Und vielleicht hat er mit meinen Thema zu tun, vielleicht aber auch nicht.

Vor Jahren las ich “Impov Wisdom (Don’t prepare, just show up)” und dieses Buch hat in mir einen – immer noch anhaltenden – Prozess ausgelöst: Im Gegensatz zu den Menschen, die meinen, nicht “Nein” sagen können gehöre ich zu den Menschen, denen ein spontanes “Ja” oft nicht in den Sinn kommt. Patricia Ryan Madson schlägt vor (wenn ich mich recht entsinne) ab und an einen “Ja”-Tag zu machen. Die Regeln sind ganz einfach: Regel 1: Sag zu Allem und Jedem “Ja”, egal wie verrückt es zu sein scheint. Eine Regel 2 gibt es nicht. Nur einen Tag, nicht das ganze Leben. Und dann vielleicht noch einen – und noch einen. Klingt verdammt gut. Einfach mal groß denken, mal groß hören und mal groß träumen! Alles fängt mit einem “Ja” an.

“Nein” hingegen steht für Stillstand, keine Möglichkeit, kein Wachstum, kein Spass. Nicht ohne Grund klingt “nein” auch wie “kein”. Übrigens – bei meinen Kindern durfte ich erleben, warum Menschen den Kopf schütteln, wenn sie “nein” meinen: Hat das Kleinkind genug Brei gefüttert bekommen – es ist also satt – dann dreht es instinktiv den Kopf zur Seite. Gut meinende Eltern versuchen dann noch den letzen Löffel Brei an der linken Seite zuzuführen, doch das Kind dreht den Kopf mit geschlossenem Mond auf die andere Seite. Und so bekommen wir das erste Nein vom neuen Erdenbürger. Das erste von vielen.

Und ich streite nicht ab, dass es gibt Situationen gibt, in denen ein “Nein” seinen Wert hat. Das Problem ist halt, dass eine “weg-von” Motivation keine Richtung hat. Eben nur: “Weg hier – egal wohin!” – Dennoch ist sie stärker als jede “hin-zu” Motivation im gleichen Gefühl.

Manche Menschen glauben, eine Abkürzung in das Land des “Ja” Lebens gefunden zu haben: Das Wort “Aber”. Doch “aber” ist das gefährlichste Wort, welches wir kennen. Wir können mit “aber” aus jedem schönen Satz, der ein Geschenk sein könnte etwas Falsches machen. “Ja, das Kleid steht Dir, aber vielleicht könntest Du es noch eine Nummer größer anprobieren” – “Ja, das hast toll gelöst, aber vielleicht könntest Du noch mal im Buch nachlesen…”. Ich könnte kotzen…

Immer -wirklich immer- wenn jemand “aber” sagt wird alles, was vor dem “aber” gesagt wurde zur Lüge. So ein Scheisswort und soo schade, dass wir Menschen es nicht verstehen. Ich habe mir angewöhnt jedes “aber” zu hinterfragen – mit interessanten und doch vorhersagbaren Ergebnissen. Probiert mal die Beispiel-Sätze oben aus und ersetzt jedes “aber” durch ein “und”. Interessant, oder? Folglich ist also “aber” (auf jeden Fall an “Ja” Tagen streng) verboten! “Ja” heisst Zustimmung, nicht bedingungslose aber auf jeden Fall Zustimmung. Niemals Ablehnung.

Erst seit ich dieses Buch gelesen habe und hin und wieder versuchte (und immer noch versuche) einen “Ja” Tag zu erleben wird mir bewusst mit wie viel “Nein” ich (und viele meiner Mitmenschen) mich umgebe. Es ist aber auch schwierig: “Papa, darf ich …?”, “Papa, erlaubst Du mir …?”, oder auch “Entschuldigung, haben Sie mal 5 Minuten für …?”, oder “Hast Du zufällig spontan Zeit mir bei meinem Umzug zu helfen?”. “Nein” ist meist eine Ausrede. Um nicht Nachzudenken, um bequem zu bleiben, um in der eigenen Komfort-Zone zu verweilen.

Ich will: Spontan zustimmen, verrückt sein, neue Wege entdecken, neue Regeln erfinden, den Anderen voll sehen und voll hören und meine Bequemlichkeit nicht mein Leben bestimmen lassen!

Und eines Tages werde ich ihn haben, den perfekten “Ja”-Tag – ohne “aber” und ohne Angst.

Wort.

Und noch ein Zitat zum Schluss:
“After the final no there comes a yes
And on that yes the future world depends.” (Wallace Stevens)